Winterlicht

06.03.22
Die Sonne scheint ins Atelier, aber am Rechner sitzend lege ich mir doch eine Decke über die Beine. Draußen ist es drei oder vier Grad kalt.
Hinter mir liegt nicht nur das unaufgeräumte Atelier, sondern auch eine arbeitsintensive Zeit. Ganz gut, einmal Bilanz zu ziehen, um dann nach einer Pause wieder zu beginnen.
Bei der Entwicklung meiner Arbeitsweise hatte ich wirklich Glück. So viele Mülltonnen habe ich nicht vollgestopft, bis mich die Ergebnisse zufrieden gestellt haben. In der ersten Phase, Anfang Januar, war die Frage zu klären: wie kann ich bemaltes Papier blasenfrei auf einer Leinwand montieren? Ich war sehr, sehr skeptisch, ob mir die Wirkung der Oberfläche gefallen würde. Ich musste prüfen, ob eine mit Papier kaschierte Leinwand verlogen wirken würde. Eine Leinwand, die vorgibt Papier zu sein, hätte meinem ästhetischen Anspruch nicht genügt. Die Tatsache, dass ich keine Freundin bemalter Leinwandstruktur bin, hat es mir sicher leichter gemacht mich mit der neuen, glatten Struktur anzufreunden. Das dünne Papier, das ich nun verwende, verbindet sich so gut mit der darunterliegenden Leinwand, dass der Betrachter nicht mehr sicher erkennen kann, ob auf Papier oder direkt auf die Leinwand gemalt wurde. Die Struktur der Leinwand ist nur noch an wenigen Stellen zu erkennen. Interessanterweise tritt die Collagetechnik vollkommen in den Hintergrund. Sie ist ganz in die Malerei aufgegangen. Einige Besucher, die meine neuen Bilder hier im Original gesehen haben, stellten tatsächlich Fragen danach. Diese Irritation fand ich klasse!

Nachdem ich diese technischen Fragen klären konnte, ging es erst richtig los mir der Malerei. Die Arbeit begann mit einer „Farbsause“ – so habe ich es genannt! Nachdem ich endlich die Farben aus meinem Kopf herausgelassen hatte, ohne Rücksicht auf Motiv, Komposition, oder was noch alles zu einem guten Bild gehört, hingen meterlange, mit Pigmenten bemalte Papierbahnen im Atelier. Sie erinnerten mich an den „Linienraum“. Ich liebe diesen Anblick, fast hätte ich die Farbbahnen so lassen können. Aber ich wartete, bis sie gut getrocknet waren und begann sie dann zu zerreißen und in Stücke zu teilen. Erst dann begann die kompositorische Arbeit auf den vorbereiteten Leinwänden.

Im Januar konnte ich endlich meine Erinnerungen an die Herbstfarben herauslassen. Ich badete in Gelb, Grün und Blau. Herausgekommen ist dabei eher ein Eindruck von Frühling. Das stört mich aber gar nicht, sondern erheitert mich eher. Die Arbeiten der Serie „Sonnenlicht“ sind sehr vital und füllen einen Raum mit Wärme und Zuversicht. Ich habe es ausprobiert!
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Nachdem ich die Reihe „Sollys“ abschließen konnte, widmete ich mich im Februar endlich dem aktuell wahrgenommenen Farbenspiel im Winter an der Ostsee. Ist das herrlich, ich kann mich nicht satt sehen. Es kamen stürmische Tage mit Sand überall und unruhigem Meer, die in meinen Bilder sichtbar wurden, und es kamen die stillen, eisigen und nebligen Tage. Die Tage im Winter sind zwar kurz, aber die Dämmerung ist immer lang. Dann überflutet eine Farbenpracht pastellzarter Töne den Himmel, das Wasser und die ganze Insel. Die nun auch abgeschlossene Werkgruppe „Vinterlys“ erzählt von diesen hellen Wintertagen.
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Inzwischen drängelt sich, trotz niedriger Temperaturen, der Frühling vor. Die Winterlinge setzen gelbe Punkte in den wintergrünen Rasen. Schneeglöckchen und Märzenbecher blühen in kleinen Horsten weiß.

Ich nehme mir eine kleine Pause, um das alles zu beobachten. Bald wird es auch wieder so warm, dass ich draußen zeichnen kann, darauf freue ich mich schon. Für die Osterwoche plane ich die erste Ausstellung in meinem Atelier. Ich hoffe, ich kann sie zusammen mit einer Keramikerin machen. Zu zweit macht es doch mehr Spaß. Als Startpunkt im Januar genoss ich übrigens einen sehr schönen Nachmittag mit Kuchen, „Champagner“ und guten Wünschen.

Im nächsten Blogbeitrag berichte ich euch von meiner ersten öffentlichen Ausstellung im Atelier in Ommel. Wünscht mir Glück!

Bis dahin alles Gute

Hilda

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