Die Sonne duldet kein Weißes

15. April 2021

Wenn ich mir die erste Zeichnung ansehe, und dann den endgültigen Entwurf bin ich schon überrascht und glaube, dass es für euch interessant ist diesen Weg einmal mitzugehen. Es begann mit einem winzigen Sträußchen kleiner Frühlingsblumen, die ich Ostern im Garten pflückte. Während es draußen hagelte, zeichnete ich dieses Sträußchen. Es war zu kalt um ans Meer zu gehen, so zeichnete ich das Erstbeste, was mir begegnete. Mir fiel eine Gedichtzeile ein „…die Sonne duldet kein Weißes…“. Auch der Vers aus den alten Poesiebücher kam mir ins Gedächtnis:

„Sei wie das Veilchen im Moose, bescheiden sittsam und rein…“

So einen Unsinn haben wir Mädchen uns noch in die Poesiebücher geschrieben. Das alles ging mir durch den Kopf, als ich das Sträußchen vor mir sah. Irgendetwas gefiel mir daran, ich wusste noch nicht was. Die Farben, der elegante Schwung der Blütenblätter?

Am folgenden Tag probierte ich einfach weiter, begann mit einer Studie der Blüten um mich dann auf den Schwung und die Farben zu konzentrieren. Daraus entstanden diese beinahe kalligrafischen Skizzen. Beiden Verszeilen tauchten schon mit auf. Überrascht stellte ich fest, dass die Veilchen mich zunehmend weniger interessierten, bis sie schon eher wie Erbsenblüten aussahen. Irgendetwas war noch nicht stimmig. So begann ich einfach noch einmal von vorne.

Zunächst reduzierte ich die Farben, daraus entstand zuerst ein kleiner Entwurf für ein Stoffmuster. Vielleicht arbeite ich später noch weiterdaran. Den lästigen Spruch aus den alten Poesiealben hatte ich zum Glück endlich hinter mir gelassen. Stattdessen freute ich mich an der Zeile

„…Die Sonne duldet kein Weißes…“

aus dem „Osterspaziergang“ von J. W. Goethe. Der Fußboden in meinem kleinen Zimmer lag voller Skizzen, als sich langsam etwas herauskristallisierte, das ich mir als größere Arbeit auf Leinwand vorstellen konnte. Zunächst ließ ich es auf sich beruhen und widmete mich erst am darauffolgenden Tag dieser neuen Idee.

Nun liegen zwei Entwürfe vor mir, dir mir beide gefallen. Der eine beinahe ungegenständlich der anderer mit kindlicher Heiterkeit. Beide haben viel Schwung und künden, für mich unverkennbar, den Frühling an. Während mich der erste Entwurf lockt, ein Stoffmuster zu versuchen, habe ich bei dem letzten Entwurf einen Reifeprozess abgeschlossen. Alles unnötige ist weggefallen, geblieben sind die Farben und Linien, die jetzt für sich sprechen und keinen Gegenstand mehr beschreiben brauchen. Dennoch ruht die Erinnerung an Frühlingswind und erste kleine Blüten im Bild.

Bald ist mein Atelier so weit, dass ich diesen Entwurf realisieren kann. Von dem Ergebnis werdet ihr in einem der nächsten Blogbeiträge erfahren.

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