{"id":3404,"date":"2021-09-21T17:11:55","date_gmt":"2021-09-21T17:11:55","guid":{"rendered":"https:\/\/kieseritzky.de\/?p=3404"},"modified":"2021-09-21T17:27:19","modified_gmt":"2021-09-21T17:27:19","slug":"mit-dickem-pullover-im-atelier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kieseritzky.de\/da\/mit-dickem-pullover-im-atelier\/","title":{"rendered":"Med en tyk sweater i studiet"},"content":{"rendered":"<p>21. September<\/p>\n\n\n\n<p>In meinem Atelier ist es kalt geworden, ich sitze schon mit dickem Pullover und Strickjacke am Rechner. Fast alle Arbeiten, die ich hier in D\u00e4nemark gemacht habe, sind in der Ausstellung in Nienburg. Da bleibt Zeit dar\u00fcber nachzudenken, was ich da eigentlich gemacht habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich erinnere mich an die gro\u00dfe Freude, die ich empfand und immer noch sp\u00fcre, wenn ich die Landschaft, die See, ihre Spiegelungen und das Licht betrachtete. Das war und ist der erste Impuls f\u00fcr mein derzeitiges Arbeiten. Blieb ich zun\u00e4chst nahe dran an meiner kindlichen Freude und Faszination, versuchte ich nach einigen Woche neue Ausdrucksebenen. Sprache und Schrift probierte ich, Linolschnitte kamen dazu und verschwanden wieder, zunehmend \u00fcbermalte ich die Farbpapiere, die ich f\u00fcr die Collagen benutzte. <\/p>\n\n\n\nngg_shortcode_0_placeholder\n\n\n\n<p>Wesentliches ver\u00e4nderte sich in dem Moment, als ich nur noch von mir zuvor bemaltes Papier als Material verwendete. Zudem wurden die Zeichen abstrakter. Was zuvor noch eindeutig als Boot zu erkennen war, wurde nun ein Halbkreis. Ab da finden sich Linien, Punkte, Kreise, Dreiecke und Halbkreise in den Bildern. Beim Betrachten der Bilder wurde klar, dass hier etwas Neues entsteht. Also erkl\u00e4rte ich die Serie \u201eBaltic Blue\u201c nach 9 Bl\u00e4ttern f\u00fcr beendet und begann die neue Serie. Weil sie auch einen Namen haben muss, nannte ich sie \u201eBlau \u00fcber Blau\u201c, wobei mir nat\u00fcrlich das viel zu oft gesungene finnische Volkslied im Ohr klang. Die Serie \u201eBlau \u00fcber Blau\u201c ist inzwischen auf 13 Papierarbeiten angewachsen. Beendet ist sie aber noch nicht.<\/p>\n\n\n\nngg_shortcode_1_placeholder\n\n\n\n<p>Ich ahnte langsam, was ich machte und immer noch mache: Ich bemale Papier mit blauen, gr\u00fcnen, auch rosa T\u00f6nen, wie es mir in den Sinn kommt. Anschlie\u00dfend zerrei\u00dfe ich alles. Niemals schneide ich es, es w\u00fcrde mir nicht in den Sinn kommen. Anschlie\u00dfend schiebe ich die Fetzten in gro\u00dfer Stille und Konzentration so lange auf meinem vorbereiteten Malgrund hin und her, bis ich mit dem Ergebnis zufrieden bin. Sodann versuche ich alle Teile an dem vorgesehenen Platz zu fixieren. Dabei muss ich sehr \u00fcberlegt vorgehen. Weil die Papierst\u00fccke sich \u00fcberlappen, brauche ich einen guten Plan, welches zuerst, welche sp\u00e4ter fixiert werden m\u00fcssen. Danach muss die fertig montierte Collage mindestens eine Nacht trocknen und betrachtet werden. Langsam erst bekomme ich eine Ahnung davon, an welcher Stelle ich mit dem \u00d6lstift nochmal in das Bild hineingehen will. Das ist ein spannender Moment. Denn die bisherige Arbeit, die mir vielleicht auch schon gefallen hat, ist dann unwiederbringlich dahin. Stattdessen entsteht etwas ganz anderes. Bis zum Schluss ist nicht sicher, ob es am Ende gelungen sein wird. Diese Unplanbarkeit ist es gerade, die mich reizt. Es ist ein Wechsel zwischen spontanen und geduldigen Arbeitsphasen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/kieseritzky.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/workout-blaublau-02-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3403\" srcset=\"https:\/\/kieseritzky.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/workout-blaublau-02-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/kieseritzky.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/workout-blaublau-02-600x450.jpg 600w, https:\/\/kieseritzky.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/workout-blaublau-02-500x375.jpg 500w, https:\/\/kieseritzky.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/workout-blaublau-02-768x576.jpg 768w, https:\/\/kieseritzky.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/workout-blaublau-02.jpg 1181w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Wenn ich dar\u00fcber nachdenke, was ich diesem Jahr gemacht habe, erinnert es mich an das, was ich im Atelier gerade gestalte. Ich habe dem Ort, an dem ich in den letzten Jahren gelebt habe, mit allem was dazu geh\u00f6rt hat, den R\u00fccken gekehrt und beginne jetzt etwas Neues aufzubauen. Ein wenig K\u00fcchenpsychologie ist manchmal ganz hilfreich zur Selbsterkenntnis. Allerdings will ich das nicht weiter ausf\u00fchren. Als anregende Andeutung mag das Gesagte gen\u00fcgen. Wie auch immer, mir wurde mal wieder deutlich, wie sehr meine k\u00fcnstlerische Arbeit mit meinem Leben verbunden ist. Ohne es jemals darauf angelegt zu haben. Wenn ich ganz ehrlich bin, vermisse ich meine Collagen gerade ein bisschen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcberw\u00e4ltigt bin ich von den \u00fcberaus positiven und vorantreibenden R\u00fcckmeldungen im Zusammenhang mit der Abschiedsausstellung \u201eInsel im Blau\u201c in Nienburg. Und komischerweise nicht nur dort. Als h\u00e4tten sich gerade alle verabredet mich mit Zustimmung und Lob zu \u00fcbergie\u00dfen. Das tut gut und treibt mich voran. Danke, euch allen. Und das gr\u00f6\u00dfte Lob f\u00fcr einen K\u00fcnstler ist der Kauf eines Bildes. Dieses Lob wurde mir reichlich zu teil! Vielen Dank.<\/p>\n\n\n\n<p>In meinem Kopf lauern schon neue Ideen. Unbedingt will ich weiter an der Farbe Blau arbeiten, dabei mehr Nachbarfarben dazunehmen und die Bildtr\u00e4ger und Formate variieren. Gelb wabert in meinem Kopf. Da wird was Gelbes kommen. Vor meinem inneren Auge leuchten noch die Gelb- und Ockert\u00f6ne der reifen Felder auf dieser Insel. Eigentlich bin ich in Eile um diese Farben aus meinem Gehirn auf das Papier zu bringen, denn die Felder sind bereits abgeerntet. Neue Farben machen sich breit. Dumpfe, matte Farben, die sehr sanft und friedlich daherkommen, bis der n\u00e4chste Sturm kommt. In den n\u00e4chsten Wochen werde ich das Atelier nicht benutzen k\u00f6nnen. Der Tischler kommt und d\u00e4mmt das Dach. Bald kann ich im Winter im Warmen arbeiten. Ich freue mich schon sehr auf diese Wochen. Wenn die Insel in den Winterschlaf geht, werde ich in meiner Werkstatt von den reifen Feldern im Sp\u00e4tsommer tr\u00e4umen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese erzwungene Arbeitspause \u2013 vielleicht geht doch was, so ganz, ganz klein, in einer kleinen Zimmerecke? &#8211; kann ich gut nutzen, um mich endlich um Liegengebliebenes zu k\u00fcmmern. Die Mehrsprachigkeit der Website, ein Schild an der Ateliert\u00fcr, eine Anzeige in der Tourismusbrosch\u00fcre und auf der Website der Insel, Ausstellungen f\u00fcr das n\u00e4chste Jahr organisieren und vieles mehr. Gerade habe ich mich f\u00fcr eine Ausstellung in Sofia, Bulgarien beworben. Nach Norddeutschland und D\u00e4nemark habe ich meine F\u00fchler noch gar nicht ausgestreckt. Auch das liegt an.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wenn mein Atelier ein T\u00fcrschild hat und ged\u00e4mmt ist und alles an seinem Platz ist, dann, ja dann mache ich eine kleine Einweihungsparty hier in Ommel. Vielleicht wird ja auch jemand von meinen Lesern und Leserinnen dabei sein?<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>21. September In meinem Atelier ist es kalt geworden, ich sitze schon mit dickem Pullover und Strickjacke am Rechner. Fast alle Arbeiten, die ich hier in D\u00e4nemark gemacht habe, sind in der Ausstellung in Nienburg. Da bleibt Zeit dar\u00fcber nachzudenken, was ich da eigentlich gemacht habe. 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